14.11.2020 09:21 Uhr

Tennisspielen in NRW - Offener Brief

258 Jugendliche schreiben an den Ministerpräsidenten

Dortmund, den 04.11.2020

Tennisspielen in NRW

Sehr geehrter Herr Laschet, sehr geehrte Frau Milz,

ich heiße Karlotta, bin 10 Jahre alt und spiele seit 5 Jahren leidenschaftlich Tennis. Mit mir spielen eine ganze Menge Freunde und Freundinnen. Viele von denen trainieren genauso wie ich mehrfach in der Woche. Seit 2 Jahren trainiere ich am Landesleistungsstützpunkt des WTV (Westfälischer Tennis-Verband e.V.).

Ich bin so traurig, dass ich seit Anfang dieser Woche gar kein Tennis mehr spielen darf. Ich darf nicht am Stützpunkt in meiner kleinen Trainingsgruppe trainieren, ich darf nicht zum privaten Einzeltraining gehen, ich darf noch nicht einmal draußen ein Doppel mit meinen Eltern spielen. So hat es der Landessportbund aufgrund der Verordnung des Landes NRW festgelegt.

Dass wir im Moment keine Turniere spielen dürfen, ist zwar doof, aber das verstehe ich noch, weil da viele Menschen zusammenkommen würden. Aber auch das könnte man so organisieren, dass alle Abstand halten.

Wir möchten aber zumindest in unserer Sportart weiter trainieren dürfen. In fast allen anderen Bundesländern ist das ja auch möglich. Ich verstehe nicht, warum die Kinder in Osnabrück trainieren dürfen, aber ein paar Kilometer weiter in Bielefeld und im ganzen restlichen Nordrhein-Westfalen nicht. Finden Sie das fair?

Tennis ist ein Individualsport. Das habe ich gegoogelt. Ich stehe beim Tennis weit genug von meiner Gegnerin oder meinem Trainer entfernt, immer durch das Netz getrennt. Ein Tennisplatz hat eine Fläche von etwa 700 qm, das habe ich ausgerechnet, und auf dieser Fläche sind wir zu zweit. In der Schule sitze ich auf 70 qm eng mit 26 Kindern zusammen, die ich nur halb so gut kenne wie meine Tennis-Freunde. Im Bus sitze ich womöglich neben fremden Leuten.

Wir haben in den letzten Wochen vor Eintritt in die Tennishalle bereits Fieber gemessen (das wurde immer genau aufgeschrieben), wir haben bis zum Platz unsere Maske getragen, wir haben Abstand gehalten, uns die Hände gewaschen und desinfiziert und wir waren in allem extrem verantwortungsvoll. Und jetzt dürfen wir unsere Sportart nicht mehr machen und viele Trainer verdienen nichts mehr. Das macht mich sehr traurig.

Mein Verband – der WTV – möchte, dass wir gute Leistungen erbringen. Er möchte uns fordern und fördern und er möchte, dass wir Kader-Kinder fleißig trainieren und richtig gut werden. Er möchte stolz auf uns sein. Und das möchten wir auch!

Wir werden jetzt 4 Wochen – oder vielleicht auch noch länger – ausgebremst.

Bitte, bitte, bitte, überdenken Sie die Vorgaben noch einmal. Es gibt doch andere Lösungen, als einfach alles zu verbieten. In Mecklenburg-Vorpommern dürfen zumindest alle Kinder und Jugendlichen ihren Sport, egal welche Sportart, weiter machen. Es soll das verboten werden, was gefährlich ist. Aber vom Tennisspielen geht doch keine Gefahr aus. Es sorgt dafür, dass es uns Kindern und Jugendlichen gut geht.

Das Tennis-Verbot hat mich wirklich geschockt und ich bin sauer, aber am meisten bin ich einfach nur unendlich traurig.

Karlotta Hahn (Dortmund)

Der Brief ist von weiteren 257 Kindern und Jugendlichen aus NRW unterzeichnet (siehe Download als PDF weiter unten)

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