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Schiedsrichterwesen: Fünf Fragen an den Münsteraner Sören Friemel

Schiedsrichterwesen: Fünf Fragen an den Münsteraner Sören Friemel

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Er ist die oberste Instanz im weltweiten Schiedsrichterwesen: Seit 2014 wacht Sören Friemel im Auftrag der International Tennis Federation (ITF) als „Head of Officiating“ über die Einhaltung der Regeln sowie die Ausbildung und den Einsatz der Unparteiischen. Im Interview berichtet der frühere Referent für Regelkunde und Schiedsrichterwesen des Deutschen Tennis Bundes (DTB) über seine Erfahrungen bei den Olympischen Spielen in Rio und seine neuen Aufgaben als „Director of Officiating“ der US Open in New York City.

DTB: Herr Friemel, Sie sind gerade frisch aus Rio zurückgekommen. Welche Eindrücke und Erfahrungen haben Sie bei den Olympischen Spielen gesammelt?
Sören Friemel:
„Das war natürlich ein riesiges Erlebnis. Alleine eine Eröffnungsfeier wie die vor 80.000 Zuschauern im Maracana Stadion – das ist von der Atmosphäre her mit keinem anderen Sportevent der Welt vergleichbar. Die Zeit in Rio war aber auch arbeitsintensiv und besonders im organisatorischen Bereich war ich stark gefordert. Man muss ehrlich sagen, dass vor Ort einiges hätte besser vorbereitet sein können.“

DTB: Was waren Ihre Aufgaben dort? Wie lange haben Sie im Vorfeld auf dieses größte Sportereignis der Welt hingearbeitet?
Sören Friemel:
„Als sogenannter ‚Assistant Referee‘ war ich für das gesamte Schiedsrichterwesen beim Olympischen Tennisturnier verantwortlich. Mit den ersten Vorbereitungen für Rio haben wir seitens der ITF bereits Ende 2014 begonnen. Letztes Jahr habe ich aus rund 700 Bewerbungen letztlich 118 Linienrichter ausgewählt. Außerdem habe ich mich im Vorfeld um die gesamte Reisekoordination für die Unparteiischen gekümmert. Vor Ort in Rio war ich für die gesamte Schiedsrichter- und Linienrichterorganisation zuständig und habe alles überwacht, was auf den Plätzen passiert ist.“

DTB: Sie blicken auf eine wirklich beeindruckende Karriere im Schiedsrichterwesen zurück. Wie hat eigentlich alles begonnen?
Sören Friemel:
„Im Grunde genommen verdanke ich meine Laufbahn meinem ehemaligen Tenniscoach. Er meinte, dass ich als ‚Korinthenkacker‘ prädestiniert bin für den Job als Linien- beziehungsweise als Schiedsrichter. Das war 1986. Ich habe dann zunächst ehrenamtlich bei einigen Turnieren in Münster und Umgebung gearbeitet, mich in Kursen weitergebildet. Damals war alles weit weniger strukturiert als heute. So kam eines zum anderen und 1994 wurde ich dann schließlich Profischiedsrichter. Nach einem kurzen Abstecher nach Aachen, wo ich mit Michael Mronz beim Reitsportevent CHIO gearbeitet habe, wurde ich Supervisor auf der Tour und seit 2014 bin ich nun für die ITF tätig.“

DTB: Vor uns liegen die US Open, bei denen Sie nun ebenfalls in leitender Funktion tätig sein werden. Wie ist es dazu gekommen und wofür sind Sie in New York verantwortlich?
Sören Friemel:
„Ich fungiere dort in Vertretung des überraschend verstorbenen Bruce Litrell als ‚Director of Officiating‘ und bin damit für 300 Linienrichter und 50 Schiedsrichter verantwortlich. Das ist nach den anstrengenden Olympischen Spielen schon eine Herausforderung, denn meine Aufgaben bei der ITF führe ich nebenher weiter. Ich mache das aber gerne, denn ich habe ein gutes Verhältnis zum amerikanischen Tennisverband, der mich um Unterstützung gebeten hatte. Bislang läuft es gut, die Qualifikation haben wir ohne Probleme über die Bühne bekommen.“

DTB: Die US Open gelten als das lauteste und bunteste Grand Slam Turnier. Ist das eine besondere Herausforderung für die Unparteiischen?
Sören Friemel:
„Wer dort als Schiedsrichter arbeitet, der will es auch. Die US Open haben nun einmal diesen besonderen Charakter, der sie von anderen Turnieren unterscheidet – das mag man oder eben nicht. In meinen Augen ist es aber genau diese Abwechslung, die den Reiz des Jobs ausmacht.“

Sören Friemel

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